Warum ich dir von Ren erzählen möchte

Über meinen Musikgeschmack, die Angst vor Ablehnung und einen Song, der mir Hoffnung gibt.

Über meinen Musikgeschmack zu sprechen, ist mir lange schwergefallen. Nicht, weil Musik mir wenig bedeutet. Eher im Gegenteil.

Musik kann meine Stimmung heben, mich nachdenklich stimmen und mir wichtige Dinge bewusst machen. Vor allem kann sie mich sehr berühren. Je nach Song kann Wut aufsteigen, können Verlust oder Trauer mich überwältigen oder tragische Geschichten mich wortlos zurücklassen.

Trotzdem hatte ich immer Probleme damit, über die Interpreten zu sprechen, die ich gerne höre. Ich konnte grob sagen, welche Musikrichtung ich höre. Aber konkrete Namen nennen? Da war schnell die Angst vor Ablehnung.

Heute möchte ich das ein wenig ändern und dir von einem Musiker erzählen, dessen Songs ich schon rauf und runter gehört habe und trotzdem immer wieder hören möchte: Ren.

Wer ist Ren?

Ren kommt aus Wales und heißt mit bürgerlichem Namen Ren Eryn Gill. Seine Musik lässt sich für mich schwer in ein Genre einordnen. Pop, Rock, Hip-Hop, Reggae, Folk, Akustik. Vieles davon findet sich in seinen Songs wieder.

Wie ich auf ihn aufmerksam geworden bin

Was seine Musik für mich besonders macht, ist seine Art, Geschichten zu erzählen, seine Stimme und sein Gitarrenspiel. Manche Geschichten erzählt er so nah und eindringlich, dass es sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt. In anderen Songs geht es um innere Konflikte oder gesellschaftliche Probleme.

Ganz sicher bin ich mir nicht mehr, aber ich glaube, dass ich Ren durch ein Reaktionsvideo entdeckt habe.

Als ich „Hi Ren“ zum ersten Mal gehört habe, war ich sofort gefesselt. Meine Gedanken waren ausnahmsweise komplett ruhig. Ich habe den Song einfach nur gefühlt.

Für mich war es wie ein tiefgründiges Gespräch mit einem engen Freund, der von seinem inneren Konflikt erzählt. Ich habe mitgefühlt, mich wiedererkannt und dabei auch geweint.

Das so offen mitzuteilen, ist für mich nicht üblich. Aber es gehört dazu, wenn ich dir erklären möchte, welchen Einfluss seine Musik auf mich hat.

Dabei berühren mich nicht alle seine Songs auf dieselbe Weise. Die Geschichten um Jenny, Screech und Violet haben mich durch ihre Tragik ziemlich mitgenommen. „Money Game“ und „The Music Business“ beschäftigen mich eher wegen ihrer gesellschaftlichen Themen. In „The Music Business“ geht es besonders um seine Erfahrungen mit der Musikindustrie.

Troubles

Heute möchte ich aber bei einem Song bleiben.

Hinweis zum Inhalt: Im Musikvideo und im Liedtext werden schwere körperliche und psychische Belastungen sowie Selbstverletzung thematisiert. Bitte berücksichtige das, wenn du die Links am Ende des Beitrags öffnest.

„Troubles“ ist für mich vor allem eine persönliche Geschichte, verpackt in einem Song. Hier geht es nicht um fiktive Figuren oder gesellschaftliche Probleme, sondern um Rens eigene Erfahrungen und seinen Weg zurück zu mehr Leben.

In den begleitenden Worten zum Musikvideo beschreibt er, dass er zwischen seinem 19. und 26. Lebensjahr einen Großteil seiner Zeit mit körperlichen und psychischen Schmerzen im Bett verbracht habe. Er erzählt auch davon, dass er zeitweise überzeugt gewesen sei, daran zu sterben.

Ren bezeichnet „Troubles“ als seine Geschichte der Hoffnung. Er hätte sich gewünscht, in dieser Zeit selbst solche Geschichten hören zu können. Dabei beschreibt er keinen Weg, auf dem er immer zuversichtlich war. Er schreibt davon, wie oft er kurz davor war, die Hoffnung zu verlieren, und wie froh er heute ist, nicht aufgegeben zu haben.

Genau das macht diesen Song für mich so besonders.

Es beginnt für mich schon vor dem eigentlichen Song. Im Musikvideo schreibt Ren kurz über diese Zeit und darüber, wie lange er gelitten hat. Die Musik hat noch nicht richtig angefangen, und trotzdem sitze ich schon da und bin erst mal geschockt.

Beim Hören beschäftigt mich auch, wie schwer es sein muss, noch an etwas zu glauben, wenn scheinbar nichts antwortet. Besonders berührt mich aber jedes Mal der Wechsel von seiner schweren Geschichte zur Hoffnung. Nicht wegen einer bestimmten Formulierung, sondern weil ich in diesem Moment Erleichterung spüre: Seine Geschichte ist nicht mit seiner Krankheit zu Ende gegangen.

Was er vorher erzählt hat, bleibt schlimm. Aber dann erfahre ich, dass es weiterging. Genau das gibt mir Hoffnung.

Hoffnungslosigkeit kenne ich persönlich zu gut. Meine Depressionen hatten Phasen, die sich wie eine Sackgasse angefühlt haben. Ein Elend ohne Entkommen. Und es gibt Momente, die mich kurzzeitig wieder dorthin zurückführen.

Meine Geschichte ist eine gänzlich andere als die von Ren. Trotzdem finde ich in seiner Musik etwas wieder, das mir wichtig ist. Auch ich bin froh, dass ich wieder Hoffnung gefunden habe und gewachsen bin. Solche Musik hat einen wesentlichen Teil dazu beigetragen.

Warum ich dir davon erzähle

Sie nimmt mir meine Probleme nicht ab. Aber sie gibt mir Kraft.

Zum einen möchte ich mich auch hier mehr zeigen. Dazu gehört, dir von Musik zu erzählen, die mir viel bedeutet, statt aus Angst vor Ablehnung lieber keine Namen zu nennen.

Zum anderen begleitet mich Ren mit seiner Musik durch meine aktuelle Lebensphase. „Troubles“ ist dabei ein Song, zu dem ich immer wieder zurückkomme.

Ich möchte hier nicht nur erzählen, was mir schwerfällt, sondern auch, was mich berührt und mir Hoffnung gibt. Vielleicht findest du in seiner Musik etwas, das auch dich erreicht.

Die Links zum offiziellen Musikvideo und zum Liedtext findest du unten. So kannst du selbst hören und lesen, wovon ich hier erzähle.

Ich danke dir für deine Zeit. Wenn du möchtest, hinterlass mir gerne einen Kommentar, auch anonym. Vielleicht gibt es einen Song oder einen Interpreten, der für dich eine ähnliche Bedeutung hat.

Zum offiziellen Musikvideo von „Troubles“ auf YouTube

Zum Liedtext von „Troubles“ auf Genius


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